Makroregimes

Projektleitung: Prof. Dr. Ulrich Klüh
Projektteam: Andreas Kaltwasser, M.A.

Wie entstehen Politökonomische Regime? Wie bleiben sie über längere Zeit stabil und was leitet letztendlich ihren Verfall ein? Erklärungsversuche für Fragen wie diese gibt es zwar in großer Fülle, jedoch verbleiben diese häufig innerhalb der Grenzen ihrer wissenschaftlichen Disziplin. Im Rahmen dieses Projekts sollen Erkenntnisse aus Politologie, Soziologie und Makroökonomie kombiniert werden, um die blinden Flecke einzelner Disziplinen auszugleichen und ein umfassenderes Verständnis der eingangs erwähnten Prozesse zu erlangen. Untersucht werden einerseits historische, bereits abgeschlossene Regimewechsel, andererseits entsteht auch das Potential des Erkenntnisgewinns über zeitgenössische Entwicklungen.

 

Forschungskontext und Begriffsklärungen

Eine erste und doch wiederkehrende Herausforderung bei der Anwendung dieses interdisziplinären Ansatzes wird die sprachliche Vermittlung zwischen wissenschaftlichen Disziplinen – häufig schon einzelnen Forschungsansätzen – sein. Das wird bereits bei dem Begriff „Regime“ deutlich, welcher sich von der umgangssprachlich wohl häufigsten Verwendung einer durch Militärgewalt gestützten Diktatur abhebt: Hier meint er eine spezifische Ausprägung von ökonomischer Politik, welche durch wirtschaftliche Umstände, Erwartungskonvergenzen (beispielsweise auf globaler politischer Ebene), sowie gesellschaftliche Vorstellungen und Normen reproduziert wird.

Hierbei bietet sich eine schier unendliche Fülle Ansätze aus den drei genannten Disziplinen an, um Erklärungsversuche zu produzieren und sie möglichst komplementär zu verknüpfen.

 

Fragestellung

Die Entstehung, Reproduktion und der Zerfall von Makroregimes lässt sich mit einer Vielzahl miteinander verknüpften Teilaspekte erklären, beispielsweise sind es nicht nur wirtschaftliche Leistungsindikatoren, sondern auch deren Verwendung und Auslegung in politischer Rhetorik, welche die potentielle Wählerschaft überzeugen mögen. Gleichzeitig wird letztere unter anderem durch gesellschaftlich vorherrschende Normen, kulturelle Werte und Vorstellungen über die eigene Geschichte beeinflusst, während politische Handlungen sich nicht nur auf das zu vertretende Volk, sondern auch auf internationale Beziehungen beziehen müssen.

Die Menge an zu bedenkenden Teilaspekten zwingt pragmatisch zur Fokussierung auf einen Regimewechsel, wobei sich der grob in den späten 70ern und frühen 80ern zu verortende Wandel hin zur Liberalisierung westlicher Politik anbietet, da dessen Einfluss wohl noch heute erkennbar ist und er bereits aus einer Vielzahl Perspektiven beleuchtet wurde. Besonders interessant an diesem Fallbeispiel, welches häufig mit Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Paul Volcker in Verbindung gesetzt wird, scheint die Verwendung der „Alternativlosigkeit“ als rhetorische Figur.

Hieran lassen sich weitere interessante Fragen anknüpfen, beispielsweise die komplexe Frage nach der „faktischen“ Fundierung dieser Behauptung, also ob tatsächlich keine Alternative denkbar war oder sie einfach nicht gesehen werden konnte/sollte. Weitergehend wäre zu prüfen, ob diese tatsächliche oder geglaubte Alternativlosigkeit auch bei anderen Regimewechseln eine zentrale Rolle gespielt hat.

 

Untersuchungsmethoden

Zunächst beschränkt sich die Planung auf Literaturrecherche und makroökonomische Datenreihenanalyse. Aufgrund der oben erwähnten Menge an potentiellen Anknüpfpunkten zu verwendbaren wissenschaftlichen Theorien wird es eine beträchtliche Menge Zeit kosten, diese zu sichten und daraufhin diejenigen herauszusuchen, welche sich gegenseitig besonders gut ergänzen.